Status ist der größte Hemmschuh für die agile Organisation 

Ja, beim Tippen zucke ich noch. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt. Auf dem WVIB-Innovationstag heute in Freiburg habe ich das Thema agiler Organisation zur Diskussion eingebracht.

Spannend: Alle Führungskräfte in den Diskussionsrunden fanden das Thema Agilität, Flexibilität und damit auch das abgeben bzw. delegieren von Verantwortung zwingend nötig und gleichzeitig auch wünschenswert.

Agilität ist eine Geisteshaltung, fordert das Prinzip der Partizipation ein, denkt kurzzyklisch auf fokussiert auf klar greifbare Ergebnisse.  Auch hier war man sich einig.

Beim Thema Rollenmodell wurde ich hellhörig. Habe ich das Thema im Mittelstand bisher als höchst umstritten erlebt. Doch auch hier waren sich die Teilnehmer einig, das tägliche Arbeiten als Rollenträger statt als Mandatsträger ist für viele ein klarer Zielpunkt.

Dabei geht es um folgende Grundaussage: Jeder von uns nimmt in der täglichen Arbeit eine Rolle ein, aus der heraus er agiert, denkt und argumentiert. Diese Rolle ist temporär und kontextbezogen. In einer nächsten Sequenz kann sie wieder ganz anders sein.

Dabei folgt die Rollendefinition immer der Notwendigkeit aus der aktuellen Arbeit. Ich bin z.B. im Projekt A Projektleiter weil ich die Fach- und Führungskompetenz dazu habe. Im Projekt B bin ich normales Projektmitglied, ohne besondere Führungsfunktion.

Soweit so gut, jetzt aber noch unter dem Fokus der agilen Organisation: demnach brauchen wir künftig weniger (oder sogar keine) permanenten Führungskräfte mehr?! Der Verlust an Status ist, da waren sich alle einig, für den ehemaligen Mandatsträger  mit Einzelbüro und Dienstfahrzeug sicher hart, aber – und hier war es wieder einstimmig- Status =statisch. Und das ist sicher nicht agil. 

Ja, wenn wir schneller und flacher werden wollen, wird es sicher eine Menge Pfründe geben, von denen wir Abschied nehmen – z.T. wird es weh tun. Der Status durch hierarchischen Aufstieg könnte dazu gehören. Ich freu mich drauf!

Mehr zum Thema agile Organisation in der Prezi unter dem Link hier: Vortrag: ‚Wunderwaffe agile Organisation‘

Grafik: Dr. Dill


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

1 Kommentar

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  • Tomas Schiffbauer 17. September 2015 Antworten

    Deine Erfahrungen finde ich spannend!
    Klingt zwar jetzt vielleicht pathetisch, aber die Macht geht vom Volk aus. Sprich, „Führungskraft“ wird zukünftig nur noch derjenige oder diejenige, die vom Team oder den Kollegen dafür das Mandat zugesprochen bekommt. Das Kollektiv entscheidet. Kann sogar sein, dass damit das Peter-Prinzip langfristig ausstirbt. Das wäre doch was.
    Weiterhin ist Autorität etwas was man nur verliehen bekommen kann. Und zwar von seinen Mitmenschen. Autorität erhält man nie per Stelle in einer Organisation. Dann ist es Macht oder ein autoritärer Führungsstil. Dass wird leider oft verwechselt.

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