Von Kundenverstehern und Trendsettern

 

Juhu – sogar die Bundeskanzerlin hat es gesagt: In der Kundenorientierung liegt der Schlüssel zum Erfolg bei der kommenden Digitalisierung unserer Produkte. Wir haben es quasi amtlich. Also kümmern wir uns jetzt endlich um unsere Kunden.

Ja, werden Sie denken. Aber neu ist das nicht. Stimmt. Es ist sogar alt. Ein alter Hut. Holt keinen mehr hinter dem Ofen vor. Warum dann hier zum Thema machen?

Auch ganz einfach: Weil es die meisten noch nicht verstanden haben, was das bedeutet. Richtig – die Mehrheit verwechselt Kundenorientierung mit Profillosigkeit. Dabei ist eines sicher: So wird das nämlich nichts mit erfolgreicher Innovation. Profillosigkeit und Innovation wird zum Desaster. Kunden verstehen, heißt nicht dem Kunden nach dem Mund zu reden.

Kunden verstehen, heißt in den Schuhen des Kunden zu gehen. Eintauchen in seine Welt. Live, echt und in Farbe. Nicht vom Schreibtisch aus mit Desk Research. Nicht eine Studie beauftragen. Nein. Raus in die Welt. Miterleben. Mitleiden. Und dann, wenn man die Welt des Kunden und sein Leben wirklich verstanden hat: Aussteigen. Abstand gewinnen und nachdenken. Was müsste in der Welt meines Kunden anders sein, dass dieser mehr Spaß, mehr Erfüllung, mehr Erfolg hat?

Um es kurz zu machen: Kundenversteher sein heißt zu wissen woran der Kunde leiden würde, wenn er die Ideen hätte, die mir einfallen. Zum Glück denkt er darüber nicht nach – denn darin liegt die Chance, dass ich von ihm mit meiner Innovation ein verzücktes: „Genial“ bekomme.

Leider ist der Grat schmal, auf dem die genialen Produkte liegen. Der Absturz ins Tal der Erfolglosigkeit hart, steil und gefährlich. Darum brauchen wir noch eine zweite Eigenschaft: Wir müssen Trendsetter sein.

Für Innovatoren in Unternehmen bedeutet dies, dass der Vertrieb mein erster Fan sein muss und nicht mein Gegner. Wenn ich den Vertrieb nicht begeistern kann, wie soll der dann die Kunden begeistern? Lobbyarbeit ist das halbe Leben. Wir brauchen viele, die uns selbst und unser Produkt pushen wollen. Die ersten sitzen im Vertrieb. Die zweiten in der Geschäftsführung. Alle müssen uns lieben und unseren Erfolg wollen, auch wenn es mal schwieriger wird. Gemeinsam schaffen wir dann auch den Kunden auf unsere Seite zu bringen! Trendsetter sein heißt: Vorleben. Vorbeten. Begeistern. Anstecken. Fans finden. Gut, dass wir die Bundeskanzlerin bereits auf unserer Seite haben.

Auch ja, bevor wir es vergessen: Methoden dazu gibt es genug: Von Videoanalysen bis zu alle Sorten der Kundenbefragungen, von morphologischen Methoden bis zu TRIZ. Auch zur Marktvorbereitung gibt es eine Fülle von Methodik. Nur eins dabei nicht vergessen: Wir müssen es tun, mit alle Menschen aus Interessensgruppen. Daraus lernen und es wieder und besser tun. Vom Lesen und Nachkochen eines Rezepts wird man nicht Sternekoch. Und vom Nein sagen übrigens auch nicht. Machen – reflektieren – besser machen. Mit Passion. Nur so wird man Kundenversteher und Trendsetter.

 

Einen schönen Überblick finden man im Buch „Vom Markt zum Markt“

… und wer Frau Merkel zum Thema Industrie 4.0 hören will, hier der Link: Industrie 4.0


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

Kommentar verfassen