Schön verpackter, ökonomischer Irrsinn: Alle machen wir irgendwie im Spiel mit. Auch realisieren wir dass es irrsinnig ist, zumindest wenn wir vor Selbstüberschätzung total verblendet sind. Joerg Bartussek und Oliver Weyergraf beschreiben es schön in ihrem Buch „Mad Business – Was in den Führungsetagen der Konzerne wirklich abgeht.“ – ebenso ist es toll im Interview im aktuellen Brand eins zu lesen. Nach der Lektüre liegt die Frage nach dem „warum“ auf der Zunge. Doch will ich sie mir verkneifen. Es führt nur zur Rechtfertigung. Ich kann mir die Antwort selbst geben, auch wenn ich es nicht wahrhaben will: Irgendwie schützen wir uns, unser Leben, unsere Persönlichkeit unser Gehalt unseren Status. 

Und jetzt? Damit abgeben und zur Tagesordnung zurück? Auch das scheint mir kein aufrichtiger und wünschenswerter Weg. Ich will mal einen Versuch wagen: Was kann uns allen helfen, aus dieser Unsinnsspirale auszusteigen? Eine sicher unvollständige und streitbare Aufzählung:

1. Lasst uns aufhören uns was vorzumachen

Was passiert mit mir, wenn ich für mich den Irrsinn erkannt habe und nichts dagegen unternehme? Das kann mir und meiner Psyche doch nur schaden. Daher lasst uns aussteigen. Wirklich. Gleichzeitig lasst uns aufhören uns vorzumachen: „Bei mir ist alles ganz anders.“ Jeder von uns steht täglich im Konflikt zwischen (mehr oder weniger) unsinnigen Entscheidungen, Aktivitäten, Vorhaben und dem was wir für richtig halten. Auch aus diesem Spiel lasst uns aussteigen. Wir und unsere Systeme Sicht nicht irrsinnfrei. 

Ich plädiere fürs Nachdenken. Und: Jeden Tag bewusst entscheiden. Gehe ich mit oder steige ich aus? Trage ich diesen Weg mit oder stelle ich mich dagegen? Die Krux für mich ist oft, dass ich nicht weiß ob meine Positionen wirklich 100% richtig ist. Aber ich dennoch bewusst entscheiden. Mitgehen, Querstehen oder Aussteigen. Mein Leitmotiv kommt von den Bremer Stadtmusikanten: „Was besseres als den Tod gibt es überall.“ Irrsinn mitzumachen, der gegen meine innerste Überzeugung ist, ist mein (seelischer) Tod. Wenn ich solchen Irrsinn erkenne muss ich quer stehen oder aussteigen. Leider erkenne ich den Unsinn oft später als mir lieb ist. Es ist dennoch nie zu spät klüger zu werden. 

2. Transparenz hilft

Lasst uns offen machen, was uns zu welcher Handlung motiviert. Ein Kern von Missmanagements ist meines Erachtens das Thema „closed job“. Im kleinen wird immer mehr geklüngelt, als in transparenten offenen Systemen, in denen jeder „warum?“ Fragen darf. Dies kann unbarmherzig werden, sicher. Aber es schützt uns selbst, dass wir uns nicht mit Dingen zufrieden geben, die wir (eigentlich) für inakzeptabel halten. Seit mutig uns schafft Transparenz überall dort wo ihr es könnt. 

2. Teambeteiligung statt einsame Entscheidungen

Hören wir (sogenannte Führungskräfte) endlich auf uns so wichtig zu nehmen. Wir wissen es nicht besser. Egal wie sehr wir es glauben. Auch (oder gerade) wir machen Unsinn. Stehen wir dazu. Entscheidungen in Teams, die danach für das Ergebnis geradestehende werden, sind in meiner Erfahrung deutlich besser geschützt vor Unsinn als einsame Chef-Entscheidungen.  

3. Verantwortung weitergeben und gleichzeitig Verantwortung für mein handeln übernehmen. 

Egal wie es ausgeht: für alles was ich tue oder eben auch nicht tue muss ich mich verantworten. Zumindest vor mir selbst. Also tu nur das, was du vor dir verantworten kannst. Beziehe in deine Entscheidungen möglichst viele mit ein, dann wird sie besser werden. Das bedeutet nicht, dass du die Verantwortung für deinen Part abgibst. Ganz im Gegenteil. Du bleibst verantwortlich. Immer. Und das solltest du dir auch bei allen Teamentscheidungen bewusst sein. 

Das waren die Punkte, die mir im Moment am wichtigsten erscheinen. Alles in allem ist es am Ende für mich eine Frage der Haltung. In vielen Methoden, die wir in der Wirtschaft kennen versuchen wir diese zu formalisieren: Lean Management, KVP, TQM, Führen mit Zielen, MBO, agile Organisation… Alle diese Hilfsmittel sind gut, wenn sie mit der nötigen Haltung gefüllt sind. Ohne die nötige Haltung bleibt es eine leere Floskel. Darum macht mit und nehmt eure Haltung in den Fokus. Jeden Tag. Ich freue mich auf eine rege Diskussion.


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

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