Führung ade?

In Sachen Führung stehe ich den Reden von Führung sei obsolet eher skeptisch gegenüber, jedenfalls in ihrem generalisierenden Duktus. Es ist ja sicher richtig, den veränderten Bedürfnissen der Generationen Y und Z an „anderen“ und neuen Chefqualitäten ernsthaft nachzugehen und zu schauen, was steckt da wirklich dahinter. Und sicher sind undifferenziert paternalistisch gestrickte Führungskräfte entweder Auslaufmodelle oder sie lernen schnell dazu und lassen partizipativ gestalteten Entscheidungsprozessen mehr Raum.  Aber warum denn deshalb gleich „Führung“ als solches komplett über den Haufen werfen? Werden Unternehmer von morgen alle Mitarbeitenden an allen Entscheidungen beteiligen und nur das wirtschaftliche Risiko allein tragen? Unwahrscheinlich.

Ist es nicht so, dass auch dann, wenn in Organisationen, Teams, Gruppen die Frage, wer führt, also letztlich auch die Machtfrage formal nicht geklärt ist, diese Frage halt auf informellem Weg eine Antwort findet? Informelle Durchsetzungsstrategien und Leitungsstrukturen sind nicht dafür geeignet, Mitarbeitenden Sicherheit und Orientierung zu vermitteln. Führung soll daher explizit und partizipativ organisiert sein und die unterschiedlichen Sichtweisen der Mitarbeitenden mit einbeziehen.

Eine Führungskraft, die das nicht erkennt, wird wohl nicht mehr lange Führungskraft sein, weil sich so niemand mehr führen lassen will. Und Führung bedeutet auch,  Entscheidungen zu treffen und zu verantworten.

Die Herausforderung und die Kunst eines neuen Führungsstils besteht meines Erachtens darin, unterscheiden zu können, welche Entscheidungen auf welche Art zu treffen sind. Es werden Sachverhalte zu entscheiden sein, bei denen ein hoher Grad an Partizipation Sinn macht und andere, wo das weniger der Fall ist.  Erfolgreich ist, wer sich mehrere Handlungsoptionen offen lassen kann.


Andreas Schrenk

In über fünfundzwanzig Jahren Leitungstätigkeit und Jugendhilfepraxis konnte ich in einem überaus komplexen und dynamischen Arbeitsfeld vielschichtige Erfahrungen sammeln. Im Rahmen meiner Leitungsfunktionen war es mir möglich, viele fachliche und konzeptionelle Schwerpunkte zu setzen, Impulse zu geben und gestalterisch tätig zu sein. Das größte Lernfeld fand ich jedoch in den Führungsaufgaben. Daher weiß ich aus eigener Erfahrung um die hohen und komplexen Anforderungen, mit denen Führungskräfte täglich konfrontiert sind. Seit Oktober 2015 bin ich mit einer halben Stelle Professor in der Rechts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät an der SRH Hochschule in Heidelberg. Parallel arbeite ich als Berater bei Liebich und Partner und stehe dort für die Themen Kommunikation, Gestaltung und Begleitung von Veränderungsprozessen von Menschen und Unternehmen, Coaching von Führungskräften und Konfliktlösung. Ich bin verheiratet und wohne mit meiner Frau und unseren beiden Kindern im Albtal bei Ettlingen.

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