Digitale Macht – Das Spiel verändert sich.

„Ich suche auch Sa­chen, nach denen ich nicht suche.“ So ein Zitat von Karl La­ger­feld auf die Frage, nach wel­chen Kri­te­ri­en er Bü­cher sam­melt (F.A.Z., 23.01.2016). Was die pri­va­te Bi­blio­phi­lie eines Mo­de­schöp­fers mit Un­ter­neh­mer­tum zu tun hat?

Die Worte La­ger­felds brin­gen eine Of­fen­heit zum Aus­druck, die Un­ter­neh­men be­nö­ti­gen, wenn sie im Zeit­al­ter der di­gi­ta­len Tech­no­lo­gi­en und ihrer un­ab­seh­ba­ren Mög­lich­kei­ten in­no­va­tiv den­ken und han­deln wol­len. Eine Of­fen­heit, die erst er­mög­licht, das vom Kun­den Un­er­war­te­te und für ihn Fas­zi­nie­ren­de zu ent­wi­ckeln. Den­noch set­zen zahl­rei­che Be­trie­be wei­ter­hin auf das Mul­ti­pli­zie­ren ihrer be­kann­ten Er­folgs­mo­del­le. Sie hof­fen, ob aus Trotz oder Un­si­cher­heit, dass die mit In­dus­trie 4.0 und dem In­ter­net der Dinge ein­her­ge­hen­de Dis­rup­ti­on des Bis­he­ri­gen für sie ohne Fol­gen blei­ben wird.

Die Teil­neh­mer des dies­jäh­ri­gen Welt­wirt­schafts­fo­rums in Davos sind an­de­rer Mei­nung: Der Ein­satz di­gi­ta­ler Tech­no­lo­gi­en ist dabei, un­se­re Welt be­triebs­wirt­schaft­lich, volks­wirt­schaft­lich und ge­sell­schaft­lich zu ver­än­dern. Macht­los ste­hen Un­ter­neh­men die­ser Ent­wick­lung nicht ge­gen­über. Vor­aus­ge­setzt, sie ma­chen los. Immer im Be­wusst­sein, wel­che Di­men­si­on die Suche nach dem Neuen mitt­ler­wei­le an­ge­nom­men hat. Die di­gi­ta­len Tech­no­lo­gi­en wir­ken als Ga­me-Chan­ger. Es reicht nicht mehr, immer schnel­ler Sach­gü­ter zu ent­wi­ckeln oder die Ef­fi­zi­enz in Wert­schöp­fungs­ket­ten zu op­ti­mie­ren. Es geht darum, In­no­va­ti­on kom­plett neu zu den­ken: in­te­griert. Alles ge­hört auf den Prüf­stand – Pro­dukt, Ge­schäfts­mo­del­le, Or­ga­ni­sa­ti­ons­for­men, Fer­ti­gung – und soll­te in den Ge­samt­kon­text der Kun­den­be­dürf­nis­se ein­ge­ord­net wer­den. Die di­gi­ta­len Tech­no­lo­gi­en und Big Data, ver­stan­den we­ni­ger als re­tro­spek­ti­ve Da­ten­schau denn als Nut­zung re­le­van­ter Echt­zeit­da­ten, ma­chen es mög­lich.

Werte las­sen sich in Zu­kunft bei­spiels­wei­se schaf­fen und schöp­fen, indem man die Tren­nung zwi­schen Sach­gü­tern, Dienst­leis­tun­gen und Soft­ware auf­hebt und über Un­ter­neh­mens­gren­zen hin­aus, im Netz­werk mit Part­nern, nach in­no­va­ti­ven Kom­bi­na­tio­nen sucht. Doch Ach­tung, diese Leis­tungs­ver­knüp­fun­gen ver­än­dern auch das Wett­be­werbs­um­feld: Die Zahl der Kon­kur­ren­ten steigt und sie kom­men un­be­merkt, aus bis­lang un­ge­ahn­ten Rich­tun­gen.

Ein Er­folgs­fak­tor bleibt die Ge­schwin­dig­keit, al­ler­dings unter ver­än­der­ten Vor­zei­chen: Es geht nicht mehr darum, in be­währ­ter deut­scher Gründ­lich­keit schnellst­mög­lich das beste Pro­dukt auf den Markt zu brin­gen, son­dern den Markt mit einer guten Idee schnellst­mög­lich zu be­set­zen. Der 50-pro­zen­ti­ge Pro­to­typ, zu dem man sich im Markt Feed­back holt, ist der 120-pro­zen­ti­gen In­ge­nieurs­lö­sung, die im stil­len Un­ter­neh­mens­käm­mer­lein ge­fun­den wurde, über­le­gen. Denn An­wen­der „ent­wi­ckeln mit“, Pro­duk­te wer­den op­ti­mal an ihnen aus­ge­rich­tet, Kun­den früh und eng ge­bun­den. Da haben Nach­züg­ler im Markt nur noch be­schränk­te Chan­cen.

Die Rah­men­be­din­gun­gen für In­no­va­tio­nen ver­än­dern sich lau­fend. Was heute gilt, ist mor­gen wo­mög­lich schon über­holt. Im Vor­hin­ein lässt sich nicht alles durch­den­ken. Da hilft nur eines: Statt Zeit zu ver­lie­ren, Ent­schei­dun­gen schnell und de­zen­tral tref­fen, in agi­len in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Or­ga­ni­sa­tionein­hei­ten, die so­wohl nah am Markt als auch nah an der Tech­nik sind. Und, um das Ri­si­ko zu be­schrän­ken, immer nur genau das Stück des Weges gehen, das man über­schau­en kann.

Grafik: Dannert-Weing


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe.

Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden.
Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

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