BESCHREIBUNG

Die von der Firma General Electric im Jahre 1951 entwickelte ABC-Analyse ist ein Ordnungsverfahren zur Klassifizierung einer großen Anzahl von Daten (Erzeugnisse oder Prozesse). Dabei werden die Daten anhand vorgegebener Kriterien, wie z.B. Umsatz, Gewinn, Einkaufspreis, Jahresverbrauch oder Produktionsbedarf in drei Klassen eingeteilt, die stellvertretend für einen hohen (A-Teile), mittleren (B-Teile) oder geringen (C-Teile) Verbrauchswert der Erzeugnisse oder Prozesse stehen.

EINSATZGEBIET

Einen Überblick über die häufigsten Einsatzgebiete dieser Methode liefert die nachfolgende Auflistung (vgl. Aggteleky Bd. 2, S.266, REFA Bd. 5, S.244):

  • Betriebsanalyse: Ermittlung der repräsentativen Produkte,
  • Standortbestimmung: Berücksichtigung der dominierenden Transportrelationen
  • Materialflußplanung: Berücksichtigung der dominierenden Transportbeziehungen,
  • Produktgestaltung: Konzentration auf die gängigen Produkte – Entfernung der nichtgängigen Produkte aus dem Lieferprogramm
  • Lagerplanung: Bildung von Zonen nach der Zugriffshäufigkeit
  • Qualitätssicherung: Ermittlung der häufigsten Ausschußursachen und deren Beseitigung
VERBREITUNG

Aufgrund der einfachen Anwendbarkeit der Methode, der Unabhängigkeit des zu untersuchenden Gegenstandes sowie durch die Einschränkung der Planung auf die wesentlichen Faktoren und den damit verbundenen Zeit- und Kosteneinsparungen, findet die ABC-Analyse in vielen verschiedenen Gebieten ihre Anwendung.

VORAUSSETZUNGEN

Voraussetzung für die Anwendung der Methode und Zulässigkeit der Ergebnisse ist eine einwandfreie Führung der verwendeten statistischen Unterlagen (vgl. Müller, S.20). Bei den Primärdaten, z.B. den Stücklisten, ist es von Bedeutung, daß gleiche Wert-, Mengen- und Verbrauchseinheiten sowie gleiche Beobachtungszeiträume und Sachbeziehungen zugrunde gelegt werden (vgl. REFA Bd. 5, S.243).

DURCHFÜHRUNG

Die ABC-Analyse wird in drei Schritten durchgeführt. Im erster Schritt werden die zu untersuchenden Merkmale festgelegt und die zu untersuchenden Objekte aufgelistet. Angaben über den mengen- oder wertmäßigen Periodenverbrauch für die zu untersuchenden Objekte werden gesammelt und in tabellarischer Form festgehalten. Anschließend werden die prozentualen Mengenanteile der Untersuchungsobjekte an der Gesamtverbrauchsmenge der Periode bestimmt. Im zweiten Schritt werden die Untersuchungsobjekte in wert- oder mengenmäßig absteigender Reihenfolge geordnet und deren Verbrauchseinheiten kumulativ aufgerechnet. Danach bestimmt man die prozentualen Wertanteile der Einzelpositionen am kumulativen Gesamtwert. Im dritten Schritt werden die Untersuchungsobjekte nach ihrem wertmäßigen Anteil (in Prozent) sortiert und ihrem mengenmäßigen Anteil (in Prozent) gegenübergestellt. Gleichzeitig erfolgt die Einteilung der Objekte in  drei Klassen. Die Grenzwerte für die drei Klassen basieren auf betrieblichen Erfahrungswerten und können von Fall zu Fall leicht schwanken. Die Klassen lassen sich wie folgt spezifizieren:

Klasse A:

Hohe Bedeutung; mit einer relativ geringen Zahl von Elementen, die einen hohen Anteil am Gesamtergebnis einnehmen. So stellen beispielsweise 5 bis 10 Prozent der zu produzierenden Teile einen Anteil von ca. 60 bis 80 Prozent am Gesamtergebnis dar.

Klasse B:

Normale / durchschnittliche Bedeutung: diese Gruppe von Elementen trägt etwa proportional zum betrachteten Ergebnis bei. Beispielsweise erzielen 15 bis 25 Prozent der zu produzierenden Teile einen Anteil am Gesamtergebnis von ca. 15 bis 25 Prozent.

Klasse C:

Geringe Bedeutung: eine relativ große Zahl von Elementen hat nur einen geringen Anteil am Gesamtergebnis. Beispielsweise haben ca. 50 bis 75 Prozent der Teile nur einen Wertanteil von 5 bis 10 Prozent. (vgl. Aggteleky Bd. 2, S.264 ff.)

Nachdem in tabellarischer Form das Ergebnis festgehalten wurde, erfolgt die graphische Aufbereitung der Analysedaten mit Hilfe der Summenkurve (Lorenzkurve oder Paretokurve).

Die drei Schritte der ABC-Analyse sind:

  1. Festlegen der zu untersuchenden Merkmale und Beschaffung der Daten
  2. Sortieren der Positionen in verbrauchswert- oder mengenmäßig absteigender Reihenfolge kumulative Aufrechnung mit Bestimmung der prozentualen Anteile
  3. Festlegen der Wertgrenzen und Ermittlung der Wertegruppen, evtl. graphische Darstellung
VORTEILE
  • Analyse komplexer Probleme mit einem vertretbaren Aufwand durch die Einschränkung auf die wesentlichen Faktoren
  • Einfache Anwendbarkeit
  • Methodeneinsatz ist von dem Untersuchungsgegenstand unabhängig
  • Sehr übersichtliche graphische Darstellung der Ergebnisse möglich
NACHTEILE
  • Sehr grobe Klasseneinteilung durch die ABC-Analyse
  • Bereitstellung konsistenter Daten
LITERATUR
  • Aggteleky, B.
    Fabrikplanung Bd. 2: Betriebsanalyse und Feasability-Studie
    Carl-Hanser Verlag, München, 1982
  • Kettner, Schmidt & Greim
    Leitfaden der systematischen Fabrikationsplanung
    Carl-Hanser Verlag, München, 1984
  • Müller, E.; Berg, S.
  • Analyse von automatisierten Fertigungssystemen
  • Seminararbeit am Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebstechnik Karlsruhe (WBK), 1997
  • REFA
    Methodenlehre der Planung und Steuerung Bd. 5
    Carl-Hanser Verlag, München, 1985
  • Hartmann, Horst
    Materialwirtschaft
    5. überarbeitete Auflage, Deutscher Betriebswirte-Verlag GmbH, Gernsbach, 1990

Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe.

Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden.
Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

Kommentar verfassen