Die neue Führungswährung

Füh­rung be­deu­tet, Mit­ar­bei­ter zu be­we­gen, etwas zu tun, damit das Un­ter­neh­men wei­ter­kommt. Das war so, ist so und bleibt so, nur die Füh­rungs­sti­le ver­än­dern sich mit der Ge­sell­schaft.

Dem frü­he­ren Füh­ren durch Zwang folg­te das Füh­ren durch Auf­ga­ben, heute führt man durch Ziele. Die nächs­te Sta­ti­on heißt Füh­ren durch Sinn. Die Grün­de: Zum einen haben Men­schen in der heu­ti­gen Wis­sens­ge­sell­schaft ver­än­der­te, eher soft­in­di­vi­dua­lis­ti­sche Werte und sind sich ihrer Be­dürf­nis­se be­wuss­ter. Zum an­de­ren kommt es in Un­ter­neh­men zu­neh­mend auf die qua­li­ta­ti­ve Mit­ar­bei­ter­leis­tung an. Eine Leis­tungs­art, die Men­schen nur frei­wil­lig, in­trin­sisch mo­ti­viert ab­ru­fen. Dafür muss ihre Tä­tig­keit eben jenen, „neuen“ Wer­ten ent­spre­chen und Be­deu­tung für das De­cken ihrer in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­se haben, sprich sinn­haft für sie sein. Auf­ga­be der Füh­rungs­kraft wird es künf­tig sein, per­ma­nent zwi­schen den Be­dürf­nis­sen und Wer­ten der Mit­ar­bei­ter und denen des Un­ter­neh­mens zu ver­mit­teln, so­dass Ar­beit für beide Sei­ten Sinn macht.

Sinn er­gibt sich nicht durch die Sache, son­dern muss im Rah­men von Ar­beit aus­ge­han­delt wer­den. Beide Sei­ten müs­sen sich letzt­lich dazu ver­pflich­ten. Das ist an­stren­gend. Un­ter­neh­men wer­den sich gut über­le­gen, wer das kann, an­ge­hen­de Füh­rungs­kräf­te, ob sie das wirk­lich wol­len. Klar ist, wer Mit­ar­bei­ter sinn­ori­en­tiert füh­ren will, braucht mehr als fach­li­che Kom­pe­tenz. Zen­tral sind Mo­ti­va­tions- und Be­dürf­nis­la­ge der Füh­rungs­kraft. Wel­che Füh­rungs­mo­ti­ve hat sie, wel­che Mo­ti­va­ti­ons­hin­der­nis­se be­ste­hen? Wie aus­ge­prägt ist ihr Be­dürf­nis z. B. nach Frei­heit, Si­cher­heit, Nähe oder Dis­tanz? Wie „psy­chisch elas­tisch“ und „evo­lu­ti­ons­fä­hig“ ist sie, das heißt wie geht sie unter an­de­rem mit Rück­schlä­gen um, wie gut ge­lin­gen ihr Per­spek­tiv­wech­sel und vor allem: wie selbst­re­flek­tiert ist sie? Nur wer sich selbst kennt, kann auf die Be­dürf­nis­se an­de­rer – sinn­voll – re­agie­ren. In Un­ter­neh­men gilt es, Aus­wahl­kri­te­ri­en, -ver­fah­ren sowie Ent­wick­lungs­maß­nah­men ent­spre­chend an­zu­pas­sen.

Es reicht nicht, wenn man vom Un­ter­neh­men in As­sess­ment Cen­tern oder För­der­work­shops als Füh­rungs­kraft ge­tes­tet und für gut be­fun­den wurde. Jeder muss dar­über hin­aus ent­schei­den, ob eine Füh­rungs­tä­tig­keit für ihn per­sön­lich Sinn macht und das aus gutem Grund: Sinn macht resi­li­ent. Wer von der Sinn­haf­tig­keit der Po­si­ti­on für seine Per­son über­zeugt ist, wird die auf­rei­ben­de Ver­mitt­ler­tä­tig­keit zwi­schen den ei­ge­nen Er­war­tun­gen sowie denen der Un­ter­neh­mens­füh­rung und der Mit­ar­bei­ter mit we­ni­ger Bur­nout-Ri­si­ko über­ste­hen. Bis­lang ist die Füh­rungs­kar­rie­re in vie­len Un­ter­neh­men al­ter­na­tiv­los und Füh­rung eine End­sta­ti­on. Ohne Ge­sichts­ver­lust kommt man da nicht mehr raus. Um das zu än­dern, sind Un­ter­neh­men ge­for­dert, so­wohl be­dürf­nis­ori­en­tier­te Fach­lauf­bah­nen als auch re­ver­si­ble Lauf­bahn­mo­del­le zu ge­stal­ten, deren Be­schrei­ten dem kar­rie­re­ori­en­tier­ten Mit­ar­bei­ter ver­gleich­ba­re und sicht­ba­re An­er­ken­nung bringt.

Füh­ren durch Sinn ver­langt ein neues Den­ken – auch bei den Mit­ar­bei­tern. Sie ste­hen vor der Her­aus­for­de­rung zu ler­nen, was selbst­be­stimm­tes Ar­bei­ten heißt und dass Par­ti­zi­pa­ti­on zwei Sei­ten hat. Wer mit­ent­schei­det, was und wie er ar­bei­tet, trägt auch Mit­ver­ant­wor­tung für das Er­geb­nis.

Grafik: Dannert-Weing


Claudia Weyrauther

Claudia Weyrauther

Als Psychologin, die im Ausland mit sehr unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen ist und beruflich ursprünglich aus der Personalentwicklung und dem operativen Human Resources Geschäft internationaler Unternehmen kommt, ging und geht es für mich immer um eines: den Menschen. Ich bin überzeugt: Solange wir unsere gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorhaben vielmehr an „Logik“ als an „Psycho-Logik“ ausrichten, werden uns die Ergebnisse unserer Bemühungen immer wieder auf´s Neue frustrieren. Seit drei Jahren bin ich als Trainerin, Beraterin und Coach bei Liebich & Partner tätig und unterstütze Führungskräfte, Mitarbeiter und Teams in Bezug auf ihre Rollen und Herausforderungen im beruflichen Miteinander. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung sozialer Fertigkeiten wie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und persönlicher Selbstkompetenzen. Mit meinem Mann und meinen beiden Kindern lebe ich in München und gehe in meiner Freizeit nach Möglichkeit vor allem meiner kreativen Leidenschaften nach: dem Singen und Songwriting am Klavier.

Claudia Weyrauther


Liebich & Partner Management- & Personalberatung AG


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