Lernende Organisation? Lernende Welt! – 2.Komplexität – ein alter Hut

„Heute ist systemisches Denken wichtiger geworden als je zuvor, weil eine wachsende Komplexität uns zu überwältigen droht.“ (Senge, 2011)

Stimmt.

Aber.

Betrachten wir mal einen mittelmäßig begabten Homo Sapiens zu Beginn der jüngeren Altsteinzeit. Also vor etwa 35.000 Jahren. Ziemlich genau also, nachdem mit Homo Sapiens etwas „passiert“ ist, das manche Wissenschaftler den „kreativen Big Bang“ nennen, aber  noch nicht vollends erklären können. Homo Sapiens, ausgestattet mit einem etwa 360 cm³ kleineren Schädelvolumen als der Leser dieses Artikels, vor allem aber mit einem sich eben erst entwickelnden Potenzial für anspruchsvolle geistige Tätigkeiten in seinem damaligen europäischen Umfeld, in dem gerade „milderes“ eiszeitliches Klima herrscht. Wir sehen ein Geschöpf, bedroht durch rätselhafte Krankheiten, unberechenbare Raubtiere, potenziell tödliche Wetterlagen und Naturereignisse, giftige Pflanzen, behindert durch das Fehlen geeigneterer Werkzeuge und schwer begehbares Terrain. Eben 35.000 Jahre entfernt von Zentralheizungen, Notärzten, Haftpflichtversicherungen, gepflasterten Gehwegen, Fertighäusern, Smartphones. “Sicherheit“.

Das Leben – für den frühen Homo Sapiens weniger komplex, weniger überwältigend als unseres heute?

Wohl kaum.

Relativ zu unseren Fähigkeiten war das Leben schon immer komplex und bedrohlich, wenig fehlertolerant. Aber hat Homo Sapiens der Komplexität etwa nicht schon einmal ein Schnippchen geschlagen? Nämlich indem er sich mit der Evolution auf einen Deal eingelassen hat: Maximale Nutzung vor allem seiner sozialen Intelligenz und hohes Investment ins Lernen gegen „Nicht-ausselektiert-werden“. Kein Grund also zur Besorgnis. Oder doch? Denn – Ironie dieses Deals – der Musterschüler Homo Sapiens klagt heute trotz all seiner Komplexitäts-Cleverness mehr denn je über die wachsende Komplexität in und außerhalb seiner selbst.

Was ist passiert?


Claudia Weyrauther

Claudia Weyrauther

Als Psychologin, die im Ausland mit sehr unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen ist und beruflich ursprünglich aus der Personalentwicklung und dem operativen Human Resources Geschäft internationaler Unternehmen kommt, ging und geht es für mich immer um eines: den Menschen. Ich bin überzeugt: Solange wir unsere gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorhaben vielmehr an „Logik“ als an „Psycho-Logik“ ausrichten, werden uns die Ergebnisse unserer Bemühungen immer wieder auf´s Neue frustrieren. Seit drei Jahren bin ich als Trainerin, Beraterin und Coach bei Liebich & Partner tätig und unterstütze Führungskräfte, Mitarbeiter und Teams in Bezug auf ihre Rollen und Herausforderungen im beruflichen Miteinander. Mein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung sozialer Fertigkeiten wie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit und persönlicher Selbstkompetenzen. Mit meinem Mann und meinen beiden Kindern lebe ich in München und gehe in meiner Freizeit nach Möglichkeit vor allem meiner kreativen Leidenschaften nach: dem Singen und Songwriting am Klavier.

Claudia Weyrauther


Liebich & Partner Management- & Personalberatung AG


Telefon +49-7221-9078-0

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