Gedanken zum Digitalen Wandel – Teil 1: Eat your own dog food

In der Reihe Gedanken zum Digitalen Wandel wollen wir in unregelmäßigen Abständen Aspekte und Punkte thematisieren, die uns in der Diskussion zur Zeit zu kurz kommen – immer subjektiv – nicht allgemeingültig, aber es bewegt uns….

Es ist ja offenkundig: Im Moment ist eine Innovation nur dann zukunftsweisend und beachtenswert, wenn sie irgendetwas mit Digitalisierung oder Industrie 4.0 zu tun hat. Auch ein bisschen Denglisch tut gut: agil, Customer Centricity, SCRUM….

Wie so etwas ausgehen kann zeigt die Welle zum BSH- Vorstand, der in einer Facebook-Botschaft über seine tollen Produkte berichtet. Ich finde ein schönes Lehrstück – für virales Marketing aber auch für das Problem mit dem der digitale Wandel im deutschen Mittelstand kämpft. Am besten schauen Sie sich zuerst das Video an und machen sich ihr eigenes Bild.

Kurz auf den Punkt: Gefolgschaft (oder wie es heute Neudeutsch heißt: Follower) gibt es nur, wenn dort jemand ist, dem ich folgen möchte. Es muss mich ansprechen, es muss echt sein. Gefolgschaft gibt es für Produkte und Menschen mit Botschaft, die sie selbst vorleben. Riecht es nach Business, nach Masche oder schlicht unecht, gibt es vielleicht noch Gelächter, Hohn und Spott. Dies gilt direkt im b2c, aber auch übertragen im b2b: Wenn der Anbieter einer Lösung für diese nicht 100% steht, dann wird es eng.

90% der Entscheider im deutschen Mittelstand sind aber keine Digital Natives, können nicht so denken und handeln als ob sie das wären. Oft sind es sogar leidgeplagte Mütter und Väter, die das Verhalten ihrer Kids nicht verstehen, sich Sorgen machen ob das (bei Ihren Kindern) gut ausgeht und sind damit natürlich nicht unbedingt die richtigen Leittiere auf der digitalen Wiese.

„Eat your on dog food“ meint genau das: Wenn Sie mit Ihrer Mannschaft nicht vorweg gehen, die Dinge selbst nutzen, die sie anpreisen, deren Stärke und schwächen kennen, dann wird es sehr schwierig bis unmöglich wirklich Erfolg im Markt damit zu haben. Was übrigens genauso schief geht, ist „so tun als ob“. Hier wären wir wieder bei den Schlipsträgern im Film: Ob die wirklich schonmal gekocht haben und die tollen neuen Funktionen selbst benutzen?

Ich meine es wäre glaubhafter, wenn die Kollegen echte User die Funktion hätten erklären lassen. Ob es im Marketing so einen Effekt gehabt hätte weiß ich nicht, aber der Nachgeschmack der hier bleibt – ich wollte ihn nicht haben.


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

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