BESCHREIBUNG

Der Technologiekalender wird als Hilfsmittel zur strategischen Technologieplanung eingesetzt und dient der systematischen Gegenüberstellung von unternehmensspezifisch zu fertigenden Produkten oder Produktkomponenten und den einsetzbaren Technologien. Dabei wird der Faktor Zeit berücksichtigt, indem zukünftige Entwicklungstendenzen auf der Produkt- und auf der Technologieseite antizipiert werden (vgl. /EVE-93a/, S.79). Der Technologiekalender gliedert sich in zwei Bereiche. Im oberen Bereich werden die Produkte mit ihren Bauteilen und den jeweiligen Stückzahlen aufgeführt. Im unteren Bereich sind die Technologien zusammengestellt, die zur Herstellung der Produkte genutzt werden können. Ziel der Methode ist es, den Anwender sowohl bei der strategischen, als auch bei der operativen Technologieplanung zu unterstützen.

EINSATZGEBIET

Der Technologiekalender kann sowohl produkt- als auch bereichsübergreifend genutzt werden. Besonders geeignet ist dieses Hilfsmittel:

  • für die Unternehmensleitung, um die strategische Ausrichtung der Produkt- und Produktionsplanung zu steuern und zu kontrollieren,
  • für die Produktion, um  bei der Planung neuer Produktionskonzepte zukünftige Technologieentwicklungen zu berücksichtigen,
  • für die Konstruktion, um bei der Gestaltung neuer Produktgenerationen zukünftige fertigungstechnische Möglichkeiten zu berücksichtigen,
  • für das Engineering, um gezielt den Bedarf an erforderlichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten abzuleiten, sowie
  • für den Einkauf, um zur Vorbereitung von „Make-or-buy“-Entscheidungen den technologiespezifischen Stückzahlbedarf zu ermitteln (vgl. /EVE-93/, S.79).
VERBREITUNG

Technologiekalender-Projekte sind besonders bei neuen Produkten erfolgsversprechend, wenn Produkte und Produktion im Sinne des Simultaneous Engineering parallel geplant werden. Die Pilotanwendungen in den Unternehmen MTU Motoren- und Turbinen- Union GmbH und SLM Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik AG zeigen jedoch auf eindrückliche Weise, daß auch bei ausgereiften Produkten durch methodisches Vorgehen beim Einsatz neuer Fertigungstechnologien Rationalisierungseffekte erzielt und Technologiekompetenzen systematisch aufgebaut werden können (vgl. Hedrich P., S.80).

VORAUSSETZUNGEN

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entwicklung eines Technologiekalenders sind:

  • Einsatz von externem Technologie-Know-how
  • Systematische Technologiezuordnung mit Hilfe einer Technologiedatenbank
  • Bildung eines interdisziplinären Teams bestehend aus einem Kernteam mit Mitarbeitern aus den Bereichen Konstruktion, Fertigung und Arbeitsplanung und einem erweiterten Team bestehend aus Mitarbeitern aus den Bereichen Controlling, Marketing und Vertrieb
  • Projektausrichtung entsprechend den übergeordneten Zielsetzungen
DURCHFÜHRUNG

Der Technologiekalender wird in vier Schritten erstellt. Ziel des ersten Schrittes (Produktanalyse) ist es, zunächst die Bereiche im Unternehmen zu identifizieren, in denen der Einsatz neuer Produktionstechnologien das höchste Nutzenpotential (z.B. Kosten- und Durchlaufpotential) aufweist. Aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Schrittes werden im zweiten Schritt (Technologiezuordnung) die Produktionstechnologien bestimmt, die die technologischen Randbedingungen erfüllen und zusätzlich signifikante Vorteile zum Beispiel hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit bieten. Im dritten Schritt (Bewertung) werden die ermittelten innovativen Technologieanwendungen hinsichtlich ihrer technologischen/ökonomischen Potentiale bewertet. Es werden zukünftige Investitionsprojekte definiert und diesen Projekten Prioritäten sowie Aktivitätszeitpunkte zugeordnet. Der letzte Schritt (Darstellung) ist für die transparente Darstellung der Planungsergebnisse im abschließenden Technologiekalender zuständig (vgl. /EVE-93a/, S. 79 f.).

Die vier Planungsmodule zur Ableitung eines Technologiekalenders sind (/EVE-93a/, S.79):

  1. Produktanalyse
  2. Technologiezuordnung
  3. Bewertung
  4. Darstellung
VORTEILE
  • Aufdecken von Einsparungspotentialen bei den Fertigungskosten
  • Förderung von innovativem Denken
  • flexible Anwendbarkeit
  • Aufbau von produkt- und produktionsrelevanten Technologiekompetenzen
  • Technologiemarkt der Zukunft läßt sich besser einschätzen und damit besser nutzen
NACHTEILE
  • Aufwand für konsistente Datenhaltung
Literatur

/EVE-93a/: Eversheim W., Böhlke U., Martini C., Schmitz W.:
Neue Technologien erfolgreich nutzen

Wettbewerbsfaktor Produktionstechnik- Teil 1
In: VDI-Z, 1993, Nr.8, S.78 ff.

/EVE-93b/: Eversheim W., Böhlke U., Martini C., Schmitz W.:
Neue Technologien erfolgreich nutzen

Wettbewerbsfaktor Produktionstechnik- Teil 2
In: VDI-Z, 1993, Nr.9, S.47 ff.

/HED-95/: Hedrich P., Seng S., Wagner M., Zehnder T.Technologielalender: Systematischer Aufbau von Technologiekompetenzen
In: io Management Zeitschrift, 1995, Nr.7/8, S.77 ff.

Schuh G., Martini C., Böhlke U., Schmitz W.
Planung technologischer Innovationen mit dem Technologiekalender
In: io Management Zeitschrift, 1992, Nr.3, S.31 ff.

Hedrich P., Seng S., Wagner M., Zehnder T.
Technologiekalender: Systematischer Aufbau von Technologiekompetenzen
In: io Management Zeitschrift, 1995, Nr.7/8, S.77 ff.


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

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