Besuch auf der Bizplay #5

„Sie wollen mir erklären, dass meine Mitarbeiter am Arbeitsplatz spielen sollen?“ – „Ja“ – „Abgelehnt.“ Geht es um „Applied Game Design“ enden wohl die meisten Gespräch beim Chef in etwa so. Dabei zeigt die Resonanz auf dem Gamification-Kongress im Alten Schlachthof in Karlsruhe, dass immer mehr Firmen spielerische Elemente als Chance begreifen, ihre Mitarbeiter zu trainieren und kreative Lösungsansätze zu entwickeln. Seit fünf Jahren bringt Steffen Walz zusammen mit dem CyberForum und dem k3 auf der von ihm initiierten Plattform bizplay Spieleexperten mit Vertretern aus der Wirtschaft, Forschung und öffentlichen Verwaltung zusammen, um sich über den Erfolg und die Anwendung von spielerischen Elementen in nicht-spielerischem Kontext auszutauschen.

„Kreativität ist kein Talent, es ist eine Arbeitsweise; die Grundlage zum Spielen.“ Die erste Keynote von Elizabeth Churchill, Google UX eröffnete das Potenzial von Spielen aus psychologischer Sicht. In ihrem Team bei Google nutzt Sie bevorzugt drei Herangehensweisen, sagt die Expertin für Nutzererfahrungen: das Spielen mit Wörtern, das Spielen mit Perspektiven und das Spielen mit Rollen. Im Kern geht es immer wieder darum, festgesetzte Denkmuster aufzubrechen und eine neue Sichtweise einzunehmen. Produkte sind häufig so designed, wie wir sie wahrnehmen wollen, dabei stellt sich stets die Frage nach dem Sinn und Nutzen. Denn auch Jahre nach der Erfindung des Automobils wurde es als „pferdelose Kutsche“ von Daimler vertrieben, und dementsprechend sah es auch aus. Warum eigentlich?

Gamification ist keineswegs der Ansatz Menschen zu etwas zu überreden, was sie sowieso nicht machen wollen. Vielmehr geht es darum den Spieltrieb zu nutzen um Produktivität zu steigern, Kreativität zu generieren, Probleme zu lösen und dabei Spaß zu haben. Dieser Spieltrieb steckt in allen von uns. Hand aufs Herz: Wer spielt nicht gerne? Spielerisch Elemente finden sich nicht nur beim Daddeln auf dem Handy, sondern reichen vom Brettspiel über Rollenspiele bis in den Sport. Essentielles Kriterium ist: Es muss Spaß machen, und der Spieler muss einen nachhaltigen Sinn darin sehen.

Viele Vertriebsplanungen werden anhand trockener Excelkalkulationen durchgeführt. Die SAP konnte beweisen, dass einzig die Visualisierung auf ein nutzeransprechendes Format, in diesem Fall ein Autorennen -das beste Vertriebsergebnis lag vorne- die Vertriebsleistung in vergleichbarem Umfang gesteigert werden konnte. Die Kollegen konnten sich mehr mit dem Wettbewerb identifizieren und handelten entsprechend. Ein ähnliches Prinzip verfolgt die App „Truck Parking Europe“, wo Trucker Punkte sammeln können, sobald Sie freie LKW-Parkplätze melden. Diese Punkte können dann wiederum gegen Gutscheine eingetauscht werden. Vorteil, die Datenbank besitzt bessere Parkplatzinformationen, die an die Mitglieder weitergegeben werden können. Perspektivwechsel, ein Element der Sanitätsausbildung der Bundeswehr ist SANTRAIN. Mit diesem Serious Game (Spiele mit ernsthafter Intention) können typische Verletzungen simuliert werden. Der Rekrut ist angehalten, die richtigen Maßnahmen zu treffen. Jede seiner Aktionen bewirkt eine Veränderung der Vitalwerte. Darüber lassen sich im Rahmen der Ausbildung der Erfolg bewerten. Ein anderes Serious Game ist Emergency 5 zum Trainieren von Emergency-Management.

Das Stolpersteine auch Chancen sein können zeigt der Magier Simon Pierro. „Als Youtube und HD Kameras aufkamen, hatten viele Kollegen Angst um ihre Tricks“ erzählt der Magier. Mit einem Perspektivwechsel macht er aus der Not eine Tugend und baute diese Technologien kurzerhand als zentrales Element in seine Tricks ein. Mit Magie 4.0 zapft er nun aus seinem iPad vor verblüfften Zuschauern ein Bier. Alles eine Frage der Perspektive…

Grafik: Pliester


Felix Pliester

Felix Pliester

Seit meinem Studium in Wirtschaftsinformatik bin ich in der Beratung tätig. Mithilfe von SAP haben wir den Beschaffungsprozess von Handelsunternehmen abgebildet. Von der SAP wurde unsere App als beste Business App des Jahres 2012 gekürt. 2015 hatte ich die Chance eine Expedition auf einem britischen Kolonialmotorrad von Südindien nach Köln zu führen, das bewog mich einen Schritt aus dem SAP Universum zu machen. Jetzt liegt mein Fokus bei Liebich & Partner auf den Themen Innovation & Engineering, sowie Vertrieb, Marketing und Service. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Abenteuer, Fliegen und Radfahren.

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