BESCHREIBUNG

Die Amortisationsrechnung (auch: Kapitalrückfluß-, Pay-Back-, Pay-Off- oder Pay-Out-Rechnung) ermittelt als Entscheidungskriterium zur Investitionsbeurteilung die Amortisationsdauer. Diese gibt den Zeitraum an, ab dem die Einnahmen durch die Investition die Ausgaben übersteigen. Dieser Wert wird in der Praxis vielfach zur Abschätzung des Risikos einer Investition verwendet. I.d.R. unterstellt man ein umso größeres Risiko, je näher sich die Amortisationsdauer der Gesamtlebensdauer der Investition annähert, da dann die dem Investitionsprojekt zugehörige Einnahmenreihe länger mit Sicherheit anfallen muß und die Prognosesicherheit zurück geht. Somit stellt die Amortisationsdauer auch einen kritischen Wert dar, der eine Unter- oder Mindestgrenze bezeichnet, denn sie ist der kritische Zeitraum, über den eine Investition mindestens laufen muß, um sich bezahlt zu machen.

Die Vorgabe einer allgemeingültigen Amortisationsdauer, die Investitionsprojekte nicht überschreiten dürfen, ist falsch, da sie Investitionen ausschließt, deren Vorteilhaftigkeit durch die zum Ende der Investition eintretenden hohen Einnahmeüberschüsse bestimmt wird. Als obere Schranke für die Höchstamortisationszeit einer bestimmten Investition gilt deren erwartete Lebensdauer.

Es ist allerdings dringend zu beachten, daß eine längere Amortisationszeit nicht automatisch ein größeres Risiko bedeuten muß! Dennoch sollte zusätzlich zur Rendite-Abschätzung die Risiko-Abschätzung einer Investition erfolgen.

EINSATZGEBIET

Die Amortisationsrechnung kann zur Beurteilung für alle Investitionen herangezogen werden, da sie die Mindestlaufzeit der Investition ermittelt. Ansonsten ist die Amortisationsdauer einer einzelnen Investition nur als subjektives Kriterium zu betrachten. Lediglich beim Vergleich von Investitionen bietet sie ein aussagefähigeres Entscheidungskriterium.

VERBREITUNG

Diese Art der „Investitionsrechnung“ ist die in der Praxis wohl am weitesten verbreitete Form (vgl. Adam 1996, S. 100 oder Blohm/Lüder 1991, S. 53).

VORAUSSETZUNGEN
  • Basisinvestitionen sollten vergleichbar sein, da ansonsten Annahmen über die Differenzbeträge zu treffen sind
  • Ein- und Auszahlungen sollten von Beginn an mit relativer Sicherheit feststehen und bekannt sein
DURCHFÜHRUNG

Zur Berechnung der Amortisationsdauer sind die (Anschaffungs-) Auszahlungen und die Einzahlungen der Investition(en) zu ermitteln. Im einfachsten Fall wird sie durch den Ausdruck

Amortisationszeit = (Anschaffungsauszahlungen / durchschnittlicher jährlicher Einzahlungsüberschuß)

bestimmt. Hierbei wird der Einzahlungsüberschuß dadurch ermittelt, daß zum Gewinn eines Jahres die kalkulatorischen Abschreibungen und die kalkulatorischen Zinsen addiert werden und dann als Durchschnittsgröße für alle Perioden der gesamten Nutzungsdauer verwendet werden. Falls sich die jährlichen Einzahlungsüberschüsse stark unterscheiden, sollte die Amortisationszeit besser durch eine Rechnung mit kumulierten Auszahlungen und Einzahlungen ermittelt werden. Auch eine Berücksichtigung von Barwerten (dynamische Amortisationsdauer, vgl. VARIANTEN) führt zu aussagefähigeren Ergebnissen.

Zur Bewertung der Vorteilhaftigkeit kann man zwei Fälle unterscheiden:

  • Bei der Vorgabe von Höchstamortisationszeiten gilt: Die Investition ist vorteilhaft, wenn ihre statische Amortisationszeit diese Höchstamortisationszeit nicht überschreitet.
  • Beim Vergleich zweier Investitionen gilt: Die Investition ist vorteilhafter, deren Amortisationszeit geringer ist.
VORTEILE
  • Einfachheit der Errechnung der Amortisationszeit
  • Anschaulichkeit
  • Funktion als Risikokriterium (zusätzlich zu Erfolgskriterien)
  • Amortisationszeit als kritischer Wert für die Nutzungsdauer (auch für Sensitivitätsanalyse geeignet)
NACHTEILE
  • keine Berücksichtigung der Restlebensdauer und der Gewinnentwicklung nach Ablauf der Amortisationszeit
  • bei statischer Amortisationsrechnung keine Berücksichtigung der zeitlichen Unterschiede im Anfall der Rückflüsse
  • keine Berücksichtigung von Abbruch- oder Entsorgungszahlungen bei statischer Amortisationsrechnung
  • Vergleich von unterschiedlichen Basisinvestitionen, ohne Annahmen über die Verzinsung von Differenzbeträgen
  • keine Berücksichtigung der Finanzierungsseite
  • Bewertung Die Amortisationsrechnung ist in der Praxis sehr weit verbreitet und vor allem in Verbindung mit anderen Investitionsrechnungen zur Risikoabschätzung gut geeignet.
VARIANTEN DER AMORTISATIONSRECHNUNG

Als Varianten sind hier die statische (siehe oben) und die dynamische Amortisationsrechnung zu nennen. Bei der dynamischen werden statt der Ein- und Auszahlungen die Barwerte davon verwendet. Dadurch wird der zeitliche Anfall der Zahlungen und die Zinssituation berücksichtigt.

Als weitere Variante kann die Näherungsformel t0 ≈ -a0 /(a + a0/2 * i) betrachtet werden.

Sowohl für die statische als auch für die dynamische Amortisationsrechnung gibt es weitere Varianten. So kann man z.B. unterscheiden nach:

Literatur

Adam, D.
Investitionscontrolling
Oldenbourg Verlag, München, Wien, 1996

Blohm, H., Lüder, K.
Investition
7. Auflage, Vahlen, München, 1991

Götze, U., Bloech, J.
Investitionsrechnung: Modelle und Analysen zur Beurteilung von Investitionsvorhaben
2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, u.a., 1995


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe.

Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden.
Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

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