BESCHREIBUNG

Die Simulationsbudgetierung bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Unternehmenssituationen zu simulieren und die daraus resultierenden Auswirkungen verschiedener Budgetansätze auf die Zielgröße (z.B. Gewinn) zu ermitteln und gegebenenfalls zu optimieren. Hierzu erfolgt eine simultane, unternehmensweite (entgegen der sonst üblichen sukzessiven) Budgetaufstellung. Dies geschieht mittels mathematischer Modelle, welche eine möglichst realitätsgetreue Abbildung der Unternehmensstruktur und der Umweltbedingungen darstellen sollten. Dadurch werden komplexe Systeme strukturiert und – rechnergestützt – die Konsequenzen der möglichen alternativen Entscheidungen berechnet. Auch eine Optimierung (z.B. bezüglich des Gewinns oder bei vorgegebenem Gewinn bezüglich der einzusetzenden Budgets) wird ermöglicht. Abweichungen der Prämissen (z.B. geplante Verkaufsmengen, Preise, etc.) können in den Modellen berücksichtigt werden und somit können alternative Budgetpläne erstellt werden.

EINSATZGEBIET

Prinzipiell ist die Simulationsbudgetierung zur Aufstellung jeglicher Budgets geeignet. Durch die Möglichkeit, komplexe unternehmensweite Modelle zu erstellen, ist sie allerdings vor allem dazu geeignet, eine strategische Budgetierung für alle Unternehmensbereiche vorzunehmen. So z.B. für den F+E-Bereich, die Fertigung usw. Wegen des relativ großen Aufwands weniger geeignet für einzelne Budgets auf Produkt- oder Projektebene. Daher sollte der Einsatz in den frühen Phasen der Prozeßkette erfolgen.

VORAUSSETZUNGEN

Die Unternehmensstruktur und relevante Umweltbedingungen müssen in einem mathematischen Gleichungsmodell abgebildet werden. Hierzu muß ein Kompromiß zwischen Realitätstreue und mathematisch notwendigen Vereinfachungen gefunden werden, damit das Modellsystem mit vertretbarem Aufwand lösbar ist und dennoch aussagekräftige Ergebnisse ermittelt werden können.

DURCHFÜHRUNG

Im hier exemplarisch betrachteten Modell von Barth (vgl. Literaturangaben) werden die Zielfunktionen („Gestaltungsgleichungen“) der 5 Teilmodelle optimiert. Wenn für alle eine befriedigende Lösung ermittelt ist, sind die optimalen Budgetvorgaben aufgestellt. Dies geschieht unter Berücksichtigung von Modellrestriktionen, die den Betriebsablauf  darstellen („Erklärungsgleichungen“).

Zur konkreten Durchführung sind daher 2 Phasen notwendig:

a.)  Aufstellen eines den Unternehmungsprozeß abbildenden Gleichungssystems aus 5
Teilmodellen, jeweils mit Zielfunktion und Erklärungsgleichungen (dieser Schritt muß im allgemeinen nur bei der ersten Durchführung stattfinden, anschließend sind höchstens noch Anpassungen vorzunehmen):

  1. Faktorleistungsmengenmodell (Aktionsbudget)
  • ermittelt Produktionsaufgaben durch den Einsatz von Potentialfaktoren in den einzelnen Kostenstellen je Budgetperiode
  • abhängig von notwendigen/gewünschten Absatzmengen (incl. Zusatzbedarf, Lagerbestände, etc.)
  • Optimierung der Produktionsmengen nach strategischen Zielsetzungen, z.B. Termintreue, Lieferfähigkeit, Kapazitätsauslastung, o.ä.
  1. Kalkulationsgewinnmodell (Vollzugsziffernbudget)
  • Bewertung der Produktions-/Absatzmengen mit Kosten- und Leistungssätzen
  • Ermittlung der Herstellkosten
  • Optimierung nach (exogen vorgegebenem) kalkulatorischem Gewinn
  1. Umsatzmodell
  • Ermittlung der Höhe des Umsatzes aus Preisen und Absatzmengen
  • Optimierung entsprechend den Umsatzzielen
  1. Liquiditätsmodell
  • finanzielle Abstimmung
  • Berücksichtigung von Zahlungsweise und Zahlungsgebahren (auch von Kunden)
  • Optimierung so, daß mindestens ständige Zahlungsfähigkeit garantiert ist
  1. Periodengewinnmodell
  • Gewinnermittlung aus Ausgaben/Einnahmen des Liquiditätsmodells
  • Optimierung abhängig von Unternehmenszielsetzung, z.B. nach   Periodengewinn, Eigenkapitalrentabilität, etc.

b.) Budgetaufstellung durch simultane Lösung der 5 verzahnten Teilmodelle. Als Ausgangspunkt kann z.B. eine Absatzmengenvorgabe oder eine Vorgabe des Gewinns dienen. Zur Berechnung sind lediglich die entsprechenden Inputvariablen mit Werten zu belegen.

VORTEILE
  • Berücksichtigung alternativer Budgetansätze und deren quantitativer Auswirkungen
  • Einbeziehung sämtlicher Geschäftsbereiche
  • Simulationsläufe mit variierten Werten und Modellen möglich
  • Einfache Durchführung durch Rechnerunterstützung
  • zeigt Auswirkungen von Budgetreduzierungen
NACHTEILE
  • aufwendige Modellaufstellung bei erstem Einsatz
  • Ergebnisse hängen stark von Realitätstreue der Modellgleichungen ab
  • große Komplexität (evtl. sogar Unlösbarkeit) der Gleichungen erzwingen (starke) Vereinfachungen
  • ständige Anpassung des Modells an Änderungen von Umwelt und Unternehmen notwendig
  • Simulationsgleichungen täuschen exakte Berechenbarkeit vor
  • Gefahr von Eingabefehlern
BEWERTUNG

Vor allem durch den verstärkten Einsatz von EDV-Systemen vereinfacht sich die Durchführung von Simulationen, so daß auch die Simulationsbudgetierung zunehmend eingesetzt wird.

VARIANTEN 

Verschiedene Modelle existent, vgl. Dilger 1991, S. 77. Bei Verwendung von Matrizenalgebra und linearer Programmierung zumeist computertauglich.

SOFTWAREUNTERSTÜTZUNG

Da es sich i.d.R. um sehr unternehmensspezifische Modelle handelt, gibt es höchstens allgemein gehaltene Programme, die für den konkreten Einsatz nur bedingt brauchbar sind.

Literatur

Dilger, F.
Budgetierung als Führungsinstrument
Müller Botermann Verlag, Köln, 1991

Barth, E.
Der Entwurf eines Budget-Simulationsmodells unter Berücksichtigung von Zielniveau- und Zielprioritätsänderungen
München, 1971


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

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