Alles, was geht.

Social Media, Industrie 4.0, Internet of Things. In der Digitalisierung liegt die Zukunft. Bei aller Euphorie über die Chancen, es gibt auch Risiken für Mensch, Gesellschaft und Unternehmen.

Gleich vorweg, es ist irrelevant ob man dafür oder dagegen ist, die Digitalisierung kommt. Und sie steckt voller Möglichkeiten. Ein Beispiel ist die digitale Fertigung. Unternehmen gewinnen durch sie an Effizienz, Schnelligkeit und Flexibilität, so dass sie einer großen Masse an Kunden individualisierte Produkte bieten können. In annehmbarer Zeit und Qualität, zu einem annehmbaren Preis. Für den deutschen Markt in Billiglohnländern zu fertigen, wird über flüssig. Jobs kehren, zwar in geringerer Zahl, dafür höher qualifiziert zurück. Die Wertschöpfung erfolgt im Land. Was will man mehr?

Doch machen wir uns nichts vor. Technik lässt sich nicht nur zum Guten nutzen. Der Mensch macht mit ihr erfahrungsgemäß alles, was geht. Die einen suchen in der entpersonalisierten digitalen Welt Freunde, die anderen schreiben menschenverachtende Hasskommentare. Die einen verbreiten seriöse Information, die anderen lancieren Fake News zur Manipulation. Hinzu kommt, dass man in dieser Welt mit eigenen Daten zahlt, einer Fremdwährung, deren Wert man nicht einschätzen kann. Zumal in der Regel undurchsichtig bleibt, welche Daten man eigentlich preisgibt und was mit ihnen geschieht. Erst im Nachhinein stellt man überrascht fest, wer alles Informationen über einen hat, die man gefühlt nie weitergegeben hat. Werden Verbraucher, Bürger, Menschen gläsern?

Auch das digitalisierte Arbeitsleben birgt neben Chancen Risiken. Steigende Geschwindigkeit und Transparenz sind zwar per se positive Entwicklungen, können je nach Unternehmenskultur aber ins Negative umschlagen. Sie befördern den Anspruch nach unbegrenzter Mitarbeiterverfügbarkeit. Doch den Server nach Feierabend abzuschalten, macht in der globalisierten Wirtschaftswelt keinen Sinn. Wie also umgehen mit den Menschen im Unternehmen? Braucht es netzfreie Zonen in- und außerhalb des Unternehmens? Werden Chefs der Versuchung der totalen Mitarbeiterüberwachung widerstehen?

Nicht die Technik ist gut oder böse. Es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Unternehmens, ob es aus reiner Technikverliebtheit maßlos digitalisiert oder sich im Bewusstsein möglicher Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft selbst ethische Grenzen setzt. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Es gilt, Schritt für Schritt auszuprobieren, wie und für was man die Technik sinnvoll nutzen kann, wie weit man geht, ohne die genauen Folgen zu kennen, und mit hoher Wachheit zu reflektieren, welche Vorteile, aber auch Nachteile es nicht nur dem Unternehmen, sondern allen Beteiligten bringt. Maßvolle Digitalisierung ist eine Gratwanderung.

Grafik: Dannert-Weing


Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

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