BESCHREIBUNG

Die Kapitalwertmethode ermittelt den Barwert einer Investition. Dieser stellt den Wert dar, den eine zukünftige Zahlung heute hat, d.h. es wird eine Abzinsung (Diskontierung) durchgeführt. I.d.R. wird die Abzinsung auf den Startpunkt der Investition vorgenommen und somit für die Anschaffungsausgabe nicht durchgeführt. Alle weiteren Ein- bzw. Auszahlungsüberschüsse werden entsprechend der Periode in der sie anfallen abgegrenzt, aufsummiert und abgezinst. Der Kapitalwert stellt dann die Summe der Barwerte aller Zahlungen dar. Zur Diskontierung kann entweder der Marktzins oder ein intern vorgegebener Zinssatz verwendet werden. Ein positiver Barwert entspricht dabei einem heutigen Vermögenszuwachs, der allerdings nur bei eintreten der Prognosen auch realisiert wird. Um dann die Vorteilhaftigkeit einer Investition zu überprüfen, genügt es, den Kapitalwert zu ermitteln. Ist dieser größer oder gleich null, so ist die Investition vorteilhaft. Beim Vergleich mehrerer Investitionen ist (sind) die mit dem größeren Kapitalwert vorzuziehen.

EINSATZGEBIET

Die Kapitalwertmethode und ihre Varianten lassen sich bei praktisch allen Investitionsentscheidungen anwenden. Dies gilt sowohl für Einzel- als auch für Programmentscheidungen, ebenso auch für Ersatzentscheidungen.

Die Anwendung sollte schon in den frühen Phasen beginnen und mit zunehmender Genauigkeit der Prognosedaten erneut durchgeführt werden. Auch zur rückblickenden Beurteilung abgelaufener Investitionen einsetzbar.

VERBREITUNG

Die Kapitalwertmethode stellt eine der häufigsten angewandten Investitionsrechnungsarten dar. Insbesondere in Form der Internen-Zinsfuß-Methode und in Verbindung mit der Annuitätenmethode (vgl. /BUS-90/, S. 164.). Insgesamt läßt sich eine verstärkte Einführung der dynamischen Verfahren seit den 70-er Jahren beobachten. Nach den Untersuchungen von Blohm/Lüder (S. 52 f) sind dabei am stärksten vertreten die Interne-Zinsfuß-Methode und die Kapitalwertmethode (in jeweils ca. 2/3 aller Unternehmen).

VORAUSSETZUNGEN

  • Es wird die Existenz eines vollkommenen Kapitalmarktes angenommen, d.h. es können unbegrenzt und zu einem einheitlichen Zinssatz finanzielle Mittel angelegt und aufgenommen werden.
  • Die Prognosen der Zahlungsreihe müssen möglichst exakt und zuverlässig ermittelt werden.

DURCHFÜHRUNG

Zuerst sind die Anschaffungsausgaben und die jährlichen Zahlungen zu ermitteln und zu prognostizieren. Ebenso muß der Zinssatz zur Berechnung vorgegeben werden. Dies kann z.B. der Marktzins oder ein intern vorgegebener Mindestzinssatz sein. Anschließend sind die Ein- bzw. Auszahlungsüberschüsse zu periodisieren und abzuzinsen. Falls die Zurechnung der Zahlungen auf jährliche Zeitpunkte zu ungenau ist, kann auch eine kontinuierliche Diskontierung erfolgen, was allerdings den Aufwand erheblich steigert. Zuletzt sind dann die diskontierten jährlichen Barwerte aufzusummieren und der gesamte Barwert ist dann als Entscheidungskriterium zu verwenden. D.h. er ist mit den Barwerten alternativer Investitionen zu vergleichen (bei mehreren Investitionen) oder es ist zu überprüfen, ob er „groß genug“ ist, also insbesondere ob er positiv ist (bei einzelnen Investitionen).

VORTEILE

  • geringer (Rechen-) Aufwand
  • hohe Anschaulichkeit
  • berücksichtigt als dynamisches Verfahren mehrere Zeitabschnitte und ist damit realitätsnäher als statische Verfahren
  • durch Vorgabe eines Mindestzinses läßt sich ein gewisses Maß an Sicherheit einfach mit berücksichtigen

NACHTEILE

  • keine Berücksichtigung von unterschiedlichen Kapitalbindungen zu Beginn und/oder während der Nutzungsdauer
  • berücksichtigt die Länge der Nutzungsdauer nicht
  • viele Prognosen zur Datenermittlung (für die Zahlungsreihe) notwendig
  • enthält keine Unsicherheitsanalyse
  • Annahme des vollkommenen Kapitalmarktes entspricht nicht der Realität

BEWERTUNG

Die Kapitalwertmethode ist trotz ihrer Nachteile sehr gut für die Praxis geeignet, da sie sehr einfach anwendbar ist und dennoch gute Ergebnisse liefert. Hierdurch ist auch ihre sehr weite Verbreitung in den Unternehmen zu erklären.

VARIANTEN DER KAPITALWERTMETHODE

Eine Variante stellt die Interne-Zinsfuß-Methode dar. Sie entspricht den Berechnungen der Kapitalwertmethode. Es wird hierbei allerdings nicht der Kapitalwert ermittelt, sondern der interne Zins, der sich bei einem Kapitalwert von null ergibt. Zur Vorteilhaftigkeitsermittlung ist  dann zu überprüfen, ob der interne Zins der Investition über dem Marktzins oder einem intern vorgegebenen Mindestzins liegt. Ergeben sich bei der Zahlungsreihe mehrere Wechsel zwischen Ein- und Auszahlungsüberschüssen, so treten mehrere interne Zinssätze auf und die Ergebnisse sind mit Sorgfalt zu betrachten.

Auch die Endwertmethode stellt eine Variante dar. Hierbei wird keine Abzinsung auf den Startpunkt der Investition vorgenommen, sondern eine Aufzinsung der Zahlungen auf den Endpunkt. Des weiteren kann auch jeder andere Zeitpunkt als Bezugspunkt verwendet werden.

Eine Variante stellt auch die Annuitätenmethode dar. Sie rechnet den Kapitalwert um in gleich große jährliche Zahlungen, die sogenannten Annuitäten.

Als weitere Variationsmöglichkeiten sind auch unterschiedlich umfangreiche Ermittlungen der Zahlungsreihe zu nennen. Hierbei können außer den Anschaffungsauszahlungen und den Nettoerlösen auch noch Liquidationserträge, Steuerzahlungen etc. mitberücksichtigt werden. Außerdem können auch unterschiedliche Soll- und Habenzinssätze verwendet werden.

LITERATUR

  • Blohm, H.; Lüder, K.
    Investition
    7. Auflage, Vahlen-Verlag, München, 1991
  • Busse von Colbe, W.; Laßmann, G.
    Betriebswirtschaftstheorie, Band 3., Investitionstheorie
    3. Auflage, Springer-Verlag, Berlin, u.a., 1990
  • Götze, U.; Bloech, J.
    Investitionsrechnung: Modelle und Analysen zur Beurteilung von Investitionsvorhaben
    2. Auflage, Springer-Verlag, Berlin, u.a., 1995
  • Jaspersen, T.
    Investition
    Oldenbourg-Verlag, München, Wien, 1997
  • Schierenbeck, H.
    Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre
    11. Auflage, Oldenbourg-Verlag, München, Wien, 1993

Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

Kommentar verfassen