Wie maßlos ist das denn?

Die Millennials, gerne auch Generation Y genannt, haben eigene Vorstellungen von der Arbeitswelt. Auf Unternehmensseite ist gar von überzogenen Ansprüchen die Rede. Zeit für eine genauere Betrachtung.

Über die Millennials wird viel spekuliert. Nach den einen sind sie in krisengeschüttelten Zeiten aufgewachsen, nach den anderen in wohl- behüteter Stabilität. Man attestiert
ihnen mal hohes Burnout-Risiko, mal hohe Burnout-Resistenz. Persönlichkeitsurteile reichen von verwöhnte Egoisten bis unsichere Wesen. Unbestreitbar ist: Die Millennials sind
digital sozialisiert. Mit allen damit verbundenen Folgen. Ein Teil ihres Soziallebens spielt in der virtuellen Welt. Übers Internet sind sie gewohnt, jederzeit und überall auf Informationen zuzugreifen. Sie haben gelernt, dass sie alles, von Freunden über Filme bis zu Dates, sofort per Tasten- druck oder „Wisch“ erhalten. Instant Satisfaction, die im wirklichen Leben eher selten ist.

Einig scheinen sich die Generationsvertreter darüber hinaus in ihrer Grundhaltung zur Arbeit zu sein. Sie suchen nach sinnvollen Aufgaben, wollen selbstbestimmt agieren. Die Möglichkeit, sich zu entfalten, kann dabei durchaus wichtiger als Geld sein. Statt dem Beruf und der Karriere alles unterzuordnen, sollen sie in Einklang mit Familie, Freunden, Freizeit stehen. Der Begriff Work-Life-Balance trifft es allerdings nicht ganz. Es geht nicht um Arbeit hier und Leben da. Die Millennials leben auch in der Arbeit. Da ist es nur folgerichtig, dass ihnen wertebasierte Zusammenarbeit in Unternehmen wichtig ist. Ist das vermessen? Eigentlich nicht! Vielmehr entspricht es wohl einem – zumindest in den Reihen der gut Qualifizierten – generationsübergreifenden Wunschbild von Arbeit. Ein wichtiger Punkt mit Blick auf die Arbeitgeberattraktivität von Unternehmen. Denn ja, es ist wichtig, attraktiv für Millennials zu sein.

Sie bringen neue Ideen und digitale Kompetenz ins Unternehmen. Und nein, es geht nicht darum, sie maßlos zu bedienen. Es gilt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die für alle Mitarbeiter angemessen sind. Die Rahmenbedingungen müssen nicht den besten Mehrwert für die Millennials generieren, sondern letztendlich sicherstellen, dass man das Unternehmen vor dem Hintergrund seiner Werte und Ziele gemeinsam weiterbringt.

Massagen, Kicker und Veggieburger sind so gesehen verjüngende Kosmetik, die man machen oder auch lassen kann. Attraktivität sichern sich Unternehmen, die grundlegend an sich arbeiten. An ihrer Transparenz: Offene, gerechte Information ist Voraussetzung dafür, dass Arbeit im übergeordneten Rahmen Sinn ergibt und ein zielführendes Gemeinschaftsgefühl entsteht. An ihrer Geschwindigkeit: Neben den Millennials erwartet auch das wirtschaftliche Umfeld schnelles Agieren. An ihrer Organisation und ihren Führungsstrukturen: Denn Hierarchien bremsen, wo Kommunikation, Teamarbeit und eigenverantwortliches Handeln effizienter sind. An ihrem Vertrauen, das heißt an flexiblen Arbeitszeiten und -modellen: Schließlich ist nicht entscheidend, wie lange ein Kopf im Büro, sondern bei der Sache ist. Es spricht viel dafür, den Millennials maßvoll entgegenzukommen. Aber auch die Millennials müssen lernen. Zum einen, dass das reale Miteinander im Unternehmen anders ist als das virtuelle. Zum an- deren, dass man sich manches, was man will, erst erarbeiten muss. Mentoring kann ein Weg dazu sein, am besten eines, bei dem die Generationen gegenseitig voneinander lernen.

Grafik: Dannert-Weing.


Kommentar verfassen