BESCHREIBUNG

Zielkosten werden zunächst für das gesamte Produkt abgeleitet. Die Funktionsbereichsmethode stellt eine eindeutige und praktikable Dekompositionsmethodik dar, um die Gesamtzielkosten auf Funktions-, Komponenten- und schließlich auf Teileebene herunterzubrechen. Die grundlegende Idee besteht darin, Teilgewichte der Produktfunktionen durch analoge Kostenanteile der Zielkosten zu realisieren. Ein idealer Ressourceneinsatz entspricht also gerade dem vom Kunden gewünschten Produktwertrelationen.

Ziele:
  • Konsequente Orientierung an den Vorstellungen des Kunden
  • Einfach nachvollziehbare und optimale Zielkostenaufteilung

EINSATZGEBIET

  • zweiter Schritt der Produktkostenplanung
  • für einfache bis mittelkomplexe Produkte (bei komplexen Produkten Kombination mit anderen Methoden erforderlich, z.B. Kano-Methode, vgl. /RÖS-95/)
  • neben der Neuproduktentwickung ist die Methode auch verwendbar zur Kostensenkung bei bestehenden Produkten

VERBREITUNG

  • seit den 80-er Jahren in Japan, seit Mitte der 90-er Jahre starke Verbreitung in Deutschland
  • insbesondere in wettbewerbsintensiven Branchen (z.B. Automobilindustrie)

VORAUSSETZUNGEN

  • Definition des innovativen Produktes mittels Funktionsbeschreibung im Prozeßbaustein Produktkonzepterstellung
  • vorherige Festlegung von Verkaufspreis, Absatzvolumen (Produktkonzeptplanung) sowie Gewinnmarge und Zielkosten (Produktkostenplanung 1.Schritt)
  • interdisziplinäres Team

DURCHFÜHRUNG

Es ergeben sich 8 Arbeitsschritte zur Ableitung der Zielkostenanteile:

1. Bestimmen der Funktionsstruktur des neuen Produktes

Ausgangspunkt der produktfunktionalen Betrachtung ist eine Abstraktion der subjektiven Kundensicht von Produktmerkmalen, die z.B. mittels einer Conjointanalyse analysiert wurden.

Die einzelnen Funktionen sind nun zu definieren, aufzulisten und in eine Struktur zu bringen. Als nützlich erweist sich eine Unterscheidung von „harten“ und „weichen“ Funktionen. „Harte Funktionen“ bestimmen die technische Leistung eines Produktes, „weiche Funktionen“ dienen der Benutzerfreundlichkeit und definieren den „Wert des Produktes“ für den Kunden.

2.Gewichten der Produktfunktionen

Die Gewichtung der Produktfunktionen erfolgt auf Basis der QFD-Systematik aus den gewichteten Kundenanforderungen. Dabei ist es ratsam, „harte“ und „weiche“ Funktionen separat zu betrachten

3.Entwickeln eines Grobentwurfs des neuen Produktes

In Kenntnis der Zielkosten, der Teilgewichte sowie der Funktionen wird parallel im Prozeßbaustein Produktkonzepterstellung ein Grobentwurf erarbeitet. Dieser definiert die Produktkomponenten, durch die die Produktfunktionen insgesamt realisiert werden. Der Vorgang kann z.B. durch die Methode des Rapid Prototyping unterstützt werden.

4.Vornehmen einer Kostenschätzung für die Produktkomponenten

Der Grobentwurf ermöglicht eine Kostenschätzung der einzelnen Produktkomponenten. Damit läßt sich auch eine Kostenanteilsbestimmung komponentenweise vornehmen.

6.Gewichten der Produktkomponenten

Die Funktionskategorien (inkl. deren Gewichte) und die sie realisierenden Produktkomponenten sind in einer Matrix gegenüberzustellen. Die Verknüpfung von Funktionen und Komponenten erfolgt durch Schätzung auf Basis interner Befragungen. Die entscheidende Frage lautet: Mit welchem Gewicht einzelner Komponenten wird eine Teilfunktion realisiert?

7.Bestimmung des Zielkostenindexes der Produktkomponenten

Die Zuordnung der anteiligen Zielkosten soll im Verhältnis der Teilgewichte der Funktionen erfolgen. Das Verhältnis der Teilgewichte der einzelnen Komponenten (bezogen sowohl auf die harten als auch die weichen Funktionen) zu den entsprechenden Kostenanteilen signalisiert, ob die Forderung erfüllt wurde („Zielkostenindex“).

8.Optimierung des Zielkostenindex mit Hilfe des Zielkostendiagramms

Der Zielkostenindex weist darauf hin, ob die Ausgestaltung einer Funktion „zu teuer“(<1) oder „zu billig“(>1) ist. Dabei ist ein Wert ZI=1 ein zu enger Standard. Es geht nun darum, eine optimale Zielkostenzone zu definieren, in der sich die Zielkostenindizes der einzelnen Komponenten befinden sollten. Die Zielkostenkontrolldiagramme zeichnen sich dadurch aus,daß erlaubte Abweichungen vom Optimalwert im Bereich niedriger Teilgewichte höher als im Bereich hoher Teilgewichte sind.

VORTEILE

  • Durchgängige Ausrichtung an Kundenwünschen
  • Vermeiden des Overengineerings
  • systematische Ableitung der Zielkostenanteile auf Funktionen und Komponenten
  • Identifizierung von Kostensenkungspotentialen mittels Zielkostenkontrolldiagrammen

NACHTEILE

  • Handling von Gemeinkosten unklar
  • Durch den deterministischen Ansatz führen Fehler in der Zielkostenbestimmung schnell zu einer Verletzung der Produktintegrität und falschen Kostenzuteilungen.
  • sehr hoher Aufwand, bei komplexen Produkten nur schwer vorstellbar
  • Zuordnung der subjektiven, „weichen“ Funktionen auf die Komponenten ist schwierig

VARIANTEN

Komponentenmethode

Bei der Komponentenmethode entfallen Schritt 1 und 2 bei der Durchführung. Die Komponenten werden direkt aus den Kundenforderungen heraus gewichtet und die Zielkosten entsprechend verteilt. Die Gewichtung orientiert dabei meist an einem Referenzmodell (Vorgängermodell, „vergleichbares“ Produkt, Konkurrenzprodukt).

Vorteile
  • geringerer Aufwand
  • einfacher
  • Unten aufgeführte Nachteile lassen sich durch Neubewertung der Kostenanteile (z.B. durch Informationen aus dem Benchmarking oder Bewertung durch Lead User) abschwächen.
Nachteile
  • Nur für Produkte mit geringem Innovationsgrad geeignet, bei denen auf Kostenwerten von Referenzprodukten zurückgegriffen werden kann.
  • Strukturfortschreibung der Kosten

SOFTWAREUNTERSTÜTZUNG

  • MAKE (markt- und kostenorientierte Entwicklung) von GPS Prof. Schuh, Aachen http://www.unisg.ch/~item/PROJECTS/PM/pmake.htm)
  • PICANT(Process Integrated Cost Analysis Tool):
    Vom wbk entwickeltes Softwaretool zur entwicklungsbegleitenden Vorkalkulation (weiterführende Literatur: siehe  Eitrich)
  • PRICE

Literatur

  • Horvath, P. / Seidenschwarz, W.
    Zielkostenmanagement
    In: Controlling Heft 3, Mai/Juni 1992
  • Tanaka, M.
    Cost Planning and Control Systems in the Design Phase of a New Product
    In: Monden/Sakurai „Japanese Management Accounting“, 1989, S. 49-71
  • Coenenberg, A. / Fischer, T. / Schmitz, J.
    Target Costing und Product Life Cycle Costing als Instrumente des Kostenmanagements

In: Zeitschrift für Planung, Heft 1/1994, S.1-38

  • Eitrich, O./ Schmidt, J.
    Prozeßorientiertes Kostenmodell für die entwicklungsbegleitende Vorkalkulation
    zugel. Dissertation Universität Karlsruhe, 1996

Christoph Dill

Christoph Dill

Seit 2003 bin ich in der Beratung tätig, seit 2006 als Partner und damit einer der 11 Eigentümer unserer Firma. Seit 2010 stehe ich für den Kompetenzbereich Innovation & Engineering unserer AG, was seit jeher mein Beratungsumfeld darstellt. Hier habe ich ein sehr breites methodisches Fundament, das ich mit meinem Doktorvater Prof Dr. Ing dieter Spath (ehemals Leiter des Fraunhofer IAO, Stuttgart) auch in Form des Buchs ‚Vom Markt zum Markt‘ veröffentlicht habe. Aufbauend auf diesem Fundament entwickle, gestalte und begleite Kunden im Umfeld von Innovation und Prozess- und Projektmanagement. So kann ich dort einen Beitrag leisten, dass Produkte, Prozessen und Businessmodelle erfolgreich und marktfähig entwickelt und realisiert werden. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Familie, gehe Joggen, Mountainbiken und im Winter vor allem gerne Skifahren. Ski ist für mich mehr als ein Sport, sondern Teil meines Lebens.

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