Ich bin ein Fanboy!

Wer heute mit dem Smartphone textet, verwendet sie oft – Slang-Begriffe und Shortcuts, die sich erst mit den digitalen Medien in den letzten 20 Jahren gebildet haben. „Fanboy“ ist auch so ein Online-Slang. Aber dazu später. Geläufige Begriffe sind heute z.B. „lol“ (laughing out loud), „gtg“ (got to go), „brb“ (be right back) oder „rofl” (rolling on the floor laughing). Einige Codes haben sich erst mit den Smartphones etabliert, andere wie auch die genannten Beispiele, gehen weiter zurück.

 

„Urknall“ in den Neunzigern

Und zwar in die zweite Hälfte der neunziger Jahre, zu dieser Zeit war ich gerade im Übergang von der Oberstufe zum Studenten. Ich kann mich noch an so manchen Online-Chat, Foren-Post oder auch Multiplayer-Games von damals erinnern. Denn da haben sehr viele „digital shortcuts“ ihren Ursprung. Sie wurden gewissermaßen von den PC- und Gaming-Communities erfunden und verbreitet. Neben allseits bekannten Sprüchen waren das auch spezifisch auf die jeweilige Community bezogene Buchstabenfolgen. Gamer schrieben  während des Zockens im Teamchat  „gg“ für „good game“ – “gut gespielt”, „WooT“ für „We owned the other Team” – “Wir haben das andere Team fertiggemacht“. „Camper“ war der  Begriff für Gamer, die an einem Platz auf der map „campen“ und dann zuschlagen.

In Chats und Foren kam Folgendes auf: „imo“ für „in my opinion“ – auf Deutsch auch „mMn“ – meiner Meinung nach, „afaik“ – für „as far as I know“ – „soweit ich weiß“, das allseits bekannte „AFK“ – „away from keyboard“ – „weg von der Tastatur“, „B2T“ – „back to topic“ – zurück zum Thema.

 

Schnelligkeit und Zugehörigkeit zur Community

Maßgeblicher Treiber für Shortcuts war Schnelligkeit – mit wenigen Tastenanschlägen möglichst viel Inhalt transportieren. Im Laufe der Entstehung wurden die Abkürzungen aber auch zu einem Zeichen für Zusammenhalt und Zugehörigkeit der Communities. Wer sie geflissentlich verwendete, hatte schneller die Akzeptanz als Mitspieler oder -schreiber erreicht, verglichen mit Leuten, die erst nach der Bedeutung der Abkürzungen fragen mussten. Ich musste z.B. nach dem obigen „afaik“ auch erstmal fragen 😊 Und es gibt noch viele andere Abkürzungen, deren Bedeutung sich nicht auf den ersten Blick erkennen lässt: „LMGTFY“ – heißt „Let me google that for you“.

 

Jede Sprache bildet ihre eigenen Shortcuts

Allgemein haben sich für viele Sprachen eigene Abkürzungen gebildet, schon alleine wegen der unterschiedlichen Anfangsbuchstaben der Einzelwörter. Davon abgesehen existieren aber auch komplett eigene Begriffe, die im anglo-amerikanischen weder verwendet werden noch eine englische Übersetzung haben.

Ein Beispiel dafür ist der deutsche Shortcut „Wayne“. Er wurde vor ca. 15 Jahren im deutschen Internet-Slang oft verwendet. Als ich ihn damals zum ersten Mal las dachte ich, es wäre ein englischer Begriff, der irgendwas mit „John Wayne“ zu tun hat. Weit gefehlt, sehr weit …

Damals gab es oft nur ein einziges Forum ohne Sub-Foren. Wenn jemand darin etwas postete, was andere nicht interessiert, schrieb jemand  „Wen interessiert´s“. Das kam dann immer öfter vor und irgendwann schrieb man nur noch „Wen…“ und dann schlussendlich „Wayne“. „Wayne“ heißt also „Interessiert mich nicht“.

Ich habe dann mal auf US- und UK-Seiten die Probe aufs Exempel gemacht und den Begriff dort getextet, mit dem Ergebnis, dass es keiner geblickt hat. Wayne ist also ein deutscher Solitär-Begriff.

 

Online-Slang-Begriffe können wieder verschwinden

Heutzutage ist „Wayne“ übrigens nur noch selten zu finden – weil die meisten Foren sehr viele Unterforen haben. Das bedeut, dass jeder, der im Unterforum liest oder schreibt einfach hinreichend viel Interesse für die Posts von anderen hat.

An dieser Geschichte zeigt sich dann auch, dass Online-Begriffe ähnlich wie „Real-Life“ Redewendungen manchmal vom zeitlichen Umfeld abhängen und genauso wieder aus dem Vokabular verschwinden können. So in etwa wie meine Vorgänger-Generation in den 70ern etwas „dufte“ fand und in den 80ern dann auf „geil“ umgeschwenkt ist.

 

„Flamewars“ haben nichts mit Flammenwerfern zu tun

Im Foren- und Comment-Slang haben sich auch „Spitznamen“ etabliert und werden oft verwendet. Da gibt es „Flamewars“ – hitzige verbale „Debatten-Kriege“ wie zum Beispiel hier auf „computerbase.de“, einer meiner Favoriten-Seiten. Mit dem Erscheinen der neuen AMD „Ryzen 7“ CPUs testete die Website die Prozessoren und innerhalb weniger Tage haben sich die Leser mit mehr als 4.600 Kommentaren teilweise zerrissen vor Leidenschaft um eine der Seiten (AMD vs. Intel) verbal und argumentativ K.O. gehen zu lassen. In so einer aufgeheizten Stimmung werden Leute ab und an mal als „Hater“ bezeichnet – der Schreibende meint damit, dass der Bezeichnete bspw. die neue CPU schlecht macht, weil sie von einem bestimmten Hersteller ist. Das Gegenteil vom „Hater“ ist ein „Fanboy“. Der „Fanboy“ wird so bezeichnet, weil er genau umgekehrt die CPU nur lobt, weil sie von diesem Hersteller ist.

 

„Hol die Popcorn-Tüte!“

Dabei ist das Spektrum zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß riesig. Man kann z.B. als Shortcut auch „Hol die Popcorn-Tüte“ schreiben, was so viel heißt wie „Ich freue mich auf fanatische Posts von anderen und lach mir beim Lesen einen ab“. Wenn ich selbst in den Foren und Comments mitmische kann man mich sicher auch ab und an als „Fanboy“ bezeichnen, allerdings versuche ich meinerseits, eine auf konkreten Punkten basierende Argumentation zu bringen.

Letztlich ist es immer so, dass wir uns als schreibende Community auf die nächsten Hard- & Software-Releases, Technical Gadget Neuigkeiten und ähnliches tierisch freuen. Wir lieben es! Denn dann wissen wir: Es geht wieder los! Lasst die „Flamewars“ beginnen und „Fanboys“ gegen „Hater“ antreten!

 


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